<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-5715823201048935669</id><updated>2011-09-05T17:37:59.624+02:00</updated><title type='text'>schreibkrampf.</title><subtitle type='html'></subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://iwishihadaclue.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/5715823201048935669/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://iwishihadaclue.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>julie</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://3.bp.blogspot.com/_-1BOnHI_TlU/Ssnszm4VC3I/AAAAAAAAAMM/ey_arJUNO08/S220/2516028063_cc68190600.jpg'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>8</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-5715823201048935669.post-1426425281394918071</id><published>2010-12-08T16:30:00.002+01:00</published><updated>2010-12-08T16:30:44.034+01:00</updated><title type='text'>Why do you come here?</title><content type='html'>&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Bunte Lichter werfen bizarre Muster auf Linnas Gesicht, verärgert kneift sie die Augen zusammen. Das Licht blendet und ist heiß und sie fühlt sich nicht wohl, wenn die Scheinwerfer auf sie gerichtet sind, sie war noch nie gern im Mittelpunkt und erst recht nicht auf einer dieser Partys. Sie blickt sich um, verschwitzte Gesichter, aufgelöste Frisuren, glasige Augen wirbeln um sie herum, es muss schon spät sein, denn der Fußboden ist klebrig und drei junge Mädchen sitzen nebeneinander auf den Treppenstufen am Eingang und starren ins Leere. Die Mittlere hat sich eindeutig bereits übergeben, die Flecken auf ihrem T-Shirt sprechen Bände. Schnell wendet Linna den Blick ab, lässt ihn durch den Raum schweifen, Gesichter abscannen. Katrin steht an der Bar, hält sich sehr aufrecht, bindet ihre langen blonden Haare zu einem Pferdeschwanz und lauscht aufmerksam einem jungen Mann mit Dreitagebart, es ist fast unmöglich einzuschätzen, ob seine Monologe Katrin wirklich interessieren oder ob er einfach nur gut aussieht. Linna versucht, Blickkontakt herzustellen, doch Katrin betrachtet stur ihren Gesprächspartner.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Mitten auf der Tanzfläche, kaum vier Schritte entfernt von Linna, steht Marco, die Arme weit ausgebreitet, den Kopf in den Nacken gelegt, in seinem alten Armeemantel, sein Mund formt Worte, wahrscheinlich singt er mit. „I'm so very sick of you“, dröhnt Morrisseys Stimme aus den Lautsprechern, Marco dreht sich um die eigene Achse, erblickt Linna, kommt mit immer noch ausgebreiteten Armen auf sie zu, packt und drückt sie fest an sich und dreht sich mit ihr zusammen im Kreis. Linna muss lachen, legt ihre Stirn an seine Schulter, er riecht gut, nach Zigaretten und Aftershave und nach der Gewohnheit, einmal im Monat auf diese Party zu gehen, die einzige Party der Stadt, bei der Morrissey singen und Marco seine Hände in die Luft werfen darf. Der Club ist klein und stickig und eher rustikal als modern, man darf rauchen und der Wodka ist billig, den Heimweg finden sie im Schlaf und Türsteher und Thekenpersonal kennen sie mit Namen. Besser und schöner könnte es kaum irgendwo sein.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Katrin und Linna kennen sich seit der Grundschule, aufgewachsen in einem Dorf mit knapp 1000 Einwohnern, zwischen Pferden, Mädchenzeitschriften und Träumen von der Großstadt. Seit drei Jahren leben sie zusammen in einer kleinen Wohnung mit schiefen Wänden und tropfenden Wasserhähnen. Irgendwann trafen sie Marco, den einsamen Tänzer, der die Großstadt nicht Großstadt nennen möchte und immer von noch Größerem träumt, in seinem olivgrünen Armeemantel, den er selbst im Hochsommer nur ungern auszieht. Marco und Linna waren ein Paar, zwei Monate lang; sie liebte die Geschichten, die er erzählen konnte, er liebte ihre ernsten Augen, am Ende wurde er zu laut und zu obszön und sie zu still und verschüchtert, doch Freunde blieben sie, werden sie bleiben. Linna weiß nicht, dass Marco mit Katrin geschlafen hat, ein paar Mal, ohne große Emotionen, mehr routiniert und sachlich. Marco käme nie auf die Idee, es irgendjemandem zu erzählen und Katrin weiß, dass es Linnas Herz bräche, ohne einen genauen Grund nennen zu können.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Morrissey wird von Liam Gallagher abgelöst, Marco hält Linna immer noch fest, singt leise in ihr Ohr. Ein kalter Schauer läuft über ihren Rücken, hastig macht sie sich los, signalisiert, dass sie sich etwas zu trinken holen möchte, bahnt sich den Weg durch singende, tanzende Menschen zur Bar. Sie bestellt Wasser und Wodka, Katrin legt ihre kühle Hand auf ihre Schulter, bestellt das gleiche und poliert ihre Brillengläser mit einem Zipfel ihres Tops.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;„Komischer Typ, da vorhin, hat die ganze Zeit von seinem Job erzählt und erzählt, um Himmels willen“, Katrin setzt die Brille wieder auf, lacht, leert ihr Wodkaglas und knallt es auf die Theke. Linna lacht, schüttelt den Kopf. „Immer das Gleiche!“, ruft sie gegen die Musik. &lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;„Und, schon was gesehen?“, fragt Katrin. Linna verzieht ihr Gesicht, ihr ist das nicht so wichtig, heute, meistens, Männer auf Partys kennenlernen, oberflächliche Gespräche und fremde Haut und das leere Gefühl am Morgen danach. Diese Abende gehören Katrin und ihr und Marco und es ist merkwürdig, wenn ein Fremder dazustößt, der sich nicht für alle drei, sondern nur für einen von ihnen interessiert, der nicht versteht, warum diese drei zusammen sind. Katrin macht sich nicht so viele Gedanken, sie lernt gern Männer kennen, sagt, sie brauche das für ihr Selbstbewusstsein und das mache Spaß und wenn nicht jetzt Erfahrungen sammeln, wann dann, Linna soll es auch mal ausprobieren und es ein bisschen krachen lassen. Und Marco? Marco scheint über allem zu schweben, fremde Menschen interessieren ihn nicht sonderlich, genau das lässt ihn ziemlich attraktiv wirken und Linna verdrängt nicht zum ersten Mal den Gedanken, dass Marco seit dem Ende ihrer Beziehung bestimmt zehn, zwanzig Mädchen mit nach Hause genommen hat und sie keinen einzigen. Das sind Gedanken, die Freundschaften vergiften, und wie schrecklich unwichtig ist belangloser Sex im Vergleich zu einer Freundschaft, zu dieser Freundschaft.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Linna spürt Katrins prüfenden Blick, schüttelt den Kopf, schüttelt die Gedanken ab und bestellt noch zwei Vodka, schiebt Katrin ein Glas hin, synchron legen beide den Kopf in den Nacken, das kurze Brennen am weichen Gaumen, in der Kehle, das warme Gefühl im Bauch. „Lass uns mal wieder zu Marco gehen“, Katrin nickt, Linna greift nach ihrer Hand und sie drängen sich an einer Mädchenclique vorbei auf die Tanzfläche.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Marco, Linna und Katrin wären sich wohl nie besonders nah gekommen, wäre da nicht die Musik gewesen, die sie alle vier Wochen auf diese Party treibt. Wäre da nicht Morrissey. In dieser Stadt gibt es zu viele Parties; ausufernde, exaltierte Techno-Events und große, dröhnende Hallen mit vielen hübschen jungen Mädchen und jungen Männern mit riesigen Turnschuhen und sauber ausrasierten Frisuren, aber hier läuft die Musik ihres Herzens und vor allem Marco ist der Meinung, der Musikgeschmack sage mehr über einen Menschen aus als Alter, Herkunft und jegliche Freizeitgestaltung. Marco ist gern dogmatisch und verachtet Menschen, die einfach nur Radio hören und Krankenhausserien mit bedeutungsschwangeren Dialogen im Fernsehen angucken. Wir sind die letzten Königskinder, sagt er oft und Linna hört es gern, niemand kann sich zwischen sie stellen, weil sie sonst niemanden haben, auch wenn sie insgeheim wissen, dass es nicht wahr ist, dass alles einmal vorbeigehen wird, auch ihre Zeit als Königskinder. Heute Abend zumindest noch nicht, heute werden sie trinken und tanzen und singen und bei Morgengrauen verstört an die frische Luft torkeln, in Marcos kleiner, vollgestopfter Hinterhofwohnung auf dem Sofa, dem Boden oder im Bett einschlafen und auf den Alltag warten, der sie am Montagmorgen unweigerlich wieder einholen wird.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Der Gedanke an den kommenden Montag ist weit weg, als sie zu dritt mitten auf der Tanzfläche stehen, mal wild tanzend und laut singend, mal halten sie sich an den Händen und sehen sich feierlich an, mal knufft Katrin Linna in die Seite, um sie auf einen hübschen jungen Mann aufmerksam zu machen. Vergeht die Zeit langsamer oder schneller in diesen Stunden? Sie scheint einfach keine Rolle zu spielen, ein Blick auf die Uhr und es ist Zwei, zwanzig Minuten später ist es Fünf und beim nächsten Blick wieder zwanzig vor Drei. Linna versucht, die Lieder mitzuzählen, bei drei gibt sie auf. Die Zeit vergeht und vergeht auch nicht, sicher wird es erst wieder, wenn der DJ die Musik ausschaltet und Carla hinter der Theke einen letzten Vodka spendiert.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Wieder Morrissey, „zum dritten Mal heute Abend!“, ruft Marco begeistert, Linna und Katrin geben sich High Five und fühlen sich albern dabei, lachen laut, Linnas Blick bleibt etwas zu lang an einem Gesicht hängen. Männlich, große blaue Augen, markante Nase. Er trägt ein schwarzes T-Shirt mit weißem Muster, sie versucht, dieses Muster zu entschlüsseln, als sie merkt, dass er auf sie zusteuert. Schnell wendet sie den Blick ab, versucht sich näher zwischen Marco und Katrin zu manövrieren, doch es ist zu spät. Er steht vor ihr, lächelt und hält ihr sein Longdrinkglas unter die Nase, pflichtschuldig zieht sie am Strohhalm, Whisky mit Cola, sie nickt und lächelt kurz zurück. Sie versucht den Blick abzuwenden, doch er fängt ihn immer wieder ein mit seinen fast ein bisschen zu großen Augen, lächelt, nähert sich mit seinem Mund ihrem Ohr. „Hallo!“, ruft er, tanzt direkt vor ihr. Linna späht über seine Schulter nach Katrin und Marco, die die Annäherung bemerkt haben und sich verschwörerisch grinsend entfernen. Kurzentschlossen streckt sie ihm ihre Hand entgegen, „ich bin Linna“, seine Augen blitzen kurz auf, er ergreift ihre Hand, „Lukas, sehr erfreut“. Er tanzt weiter vor ihr, sie versucht sich seinem Rhythmus anzupassen, es klappt nur bedingt, es ist anders als mit Katrin und Marco. Seine Blicke tasten immer noch ihr Gesicht ab, zucken in ihren Ausschnitt, wieder zurück auf ihr Gesicht. „Bist du oft hier?“, etwas Besseres fällt ihr nicht ein. „Nein, ich bin gerade erst hierher gezogen, aber ich denke, ich sollte öfter mal vorbeischauen.“ Er arbeitet in der Finanzbranche, ist ein Jahr jünger als sie, die Stadt gefällt ihm gut. „Ich muss mal wieder zu meinen Leuten, bis später“, er lächelt noch einmal, dann ist er verschwunden. Linna atmet auf, für peinlichen Smalltalk hat sie sich ganz gut geschlagen, sie ist mit Katrin gleichgezogen und kann zumindest heute den Fragen entgehen, warum sie nie auf Partys flirtet. Schon begegnet sie Katrins fragenden Blicken, sie formt mit Daumen und Zeigefinger einen kleinen Kreis, das kann jetzt alles heißen, kulturell bedingt, denkt sie verwirrt, von „Arschloch“ bis „alles super“. Katrin scheint es als „alles super“ zu deuten, tanzt auf Linna zu, legt einen Arm um ihre Schulter. „Na, der sah doch mal nett aus, wo ist er denn hin?“ „Zu seinen Freunden. Keine Ahnung. Lukas heißt er.“ „Lukas und Linna, ach, nett!“ Katrin drückt einen übermütigen Kuss auf Linnas Wange, Linnas Herzschlag beruhigt sich. Für Katrin ist immer alles so einfach, ihr Herzklopfen fängt da an, wo Linna kurz vor dem Kollaps steht, oder sie lässt sich einfach nichts anmerken. Marco tänzelt mit drei Flaschen Strongbows in den Händen heran, sie stoßen an, Linnas Blick flackert immer wieder durch den langsam leerer werdenden Club, ob nervös oder hoffnungsvoll, vermag sie selbst nicht zu sagen, kann aber Lukas und sein unergründlich gemustertes T-Shirt nicht entdecken.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Linna geht oft weg, gern weg, Privatpartys und Clubs und Kneipenabende mit Katrin und Marco. Sie trinkt viel, schämt sich am Tag darauf und denkt an die Freundinnen, die nicht aus dem Dorf weggezogen sind, viele sind bereits verheiratet und haben Kinder und kein Verständnis für so ein Leben, für verrauchte Kneipen und den vernachlässigten Alltag, der Kontakt ist größtenteils abgebrochen. Linnas Eltern fragen hin und wieder besorgt nach, ob ihre Tochter Drogen nehme, sie rufen gern sonntagmorgens gegen neun Uhr an und wundern sich, wenn sie Linna damit aufwecken; sie hat es aufgegeben sich darüber aufzuregen. Was Linnas Partyleben von dem der Anderen unterscheidet ist ihre Schüchternheit. Sie lernt ungern fremde Menschen kennen, Marco kann das nie verstehen. Linna sei so nett und liebenswürdig, sagt er oft, er könne sich niemanden vorstellen, der sie nicht leiden kann, ein Wunder, dass sie jedes Mal allein nach Hause gehe. Sie weiß nicht genau, ob er es ernst oder ironisch meint, kommentiert seine Ausführungen nicht und geht weiterhin allein nach Hause, allein oder mit Katrin, die ihre Männerbekanntschaften nicht gern in die Wohnung bringt, weil ihr Zimmer genau neben Linnas liegt und die Wände hellhörig sind. In diesen Nächten, in denen Linna ganz allein die steilen Treppen hochklettert, schaltet sie ihre Stereoanlage an und hört Morrissey, lässt sich von ihm in den Schlaf singen, last night I dreamt that somebody loved me.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Wie aus dem Nichts steht Lukas wieder im Raum, Linna zuckt zusammen, er steuert direkt auf sie zu, legt seine Hände auf ihre Hüften, tanzt. Sie weiß nicht, wohin mit ihren Händen, ihren Blicken, versucht, sein T-Shirt zu betrachten, das Muster zu entschlüsseln. Eine Hand landet auf seinem Rücken, mit der anderen streicht sie sich ihre Haare aus der Stirn. Er kommt näher, ein bisschen zu nahe für ihren Geschmack, sie versucht zurückzuweichen, doch irgendwann kommt hinter ihr die Wand und es gibt kein Zurück mehr und ihr fällt nichts Anderes ein, als ihn tanzen zu lassen und panisch nach Katrin Ausschau zu halten, doch die freut sich nur und reckt ihren Daumen in die Luft.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;„Alles klar bei dir?“, ruft Lukas ihr ins Ohr, seine Wange streift ihre, es fühlt sich gut an, warm, ein bisschen unrasiert. Linna nickt, lächelt und versucht sich zu entspannen. Vielleicht ist es albern, sich gegen so etwas zu sperren, wahrscheinlich gehört es einfach dazu und sie stellt sich an. Sein Gesicht kommt immer näher, erst ist sie verwirrt, weiß nicht, was das soll, bis sie versteht, dass er sie küssen will. Will sie? Soll er? Sie versucht, ihn zu ignorieren, The Stone Roses helfen ihr dabei mit ihren ersten Gitarrentönen. Ein Ruck geht durch ihren Körper, „oh, mein Lieblingslied!“, ruft sie ihm zu, am anderen Ende des Raums wird Marco jetzt wie ein Prediger ernsthaft jede Silbe mitsingen, your knuckles whiten on the wheel, die Augen geschlossen. „Eins der besten Lieder, die je geschrieben wurden“, ruft sie weiter, denkt gleichzeitig, was für einen Unsinn ich wieder rede. Lukas ist von ihrer Begeisterung kurz abgelenkt. Sie könnte den Moment nutzen, sich aus seinen Armen winden und sich bei Katrin und Marco verstecken, doch sie zögert und schon liegt seine Hand an ihrer Wange, sie schauen sich direkt in die Augen und dann küsst er sie, er schmeckt süßlich, es fühlt sich nicht schlecht an, es ist okay, warum eigentlich nicht. Jetzt ist das romantische Soll erst einmal wieder erfüllt, schießt es ihr durch den Kopf, sie erschrickt, solche Gedanken sollte man beim Küssen doch nicht haben, schnell schiebt sie den Gedanken beiseite und küsst ihn. Küssen zum Lieblingslied, das ist in Ordnung, das kann man mal machen, das ist eine schöne Geschichte, die man erzählen kann. &lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;„Es tut mir so leid, ich muss nochmal schnell zu meinen Leuten“, sagt er plötzlich, küsst sie noch einmal, dreht sich um, verschwindet in der Menge. Linna kann kaum einen klaren Gedanken fassen, da ist Katrin bei ihr, „was war das denn jetzt?“ Linna zuckt hilflos mit den Schultern. „Komischer Typ“, befindet Katrin. Linna nickt, zögert kurz, geht zur Theke und bestellt zwei Vodka, trinkt die Gläser hintereinander aus. Carla, die Barkeeperin, lacht. „Schnell Mädel, wir machen bald Schluss!“, dann stellt sie Linna ein Glas Apfelwein hin, ist schon wieder beim nächsten Gast. &lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Zwei warme Hände legen sich auf Linnas Schultern, es ist Marco, er lehnt sich an den Thresen. „Kurz raus, rauchen?“ Linna nickt, nimmt einen Schluck Apfelwein, folgt Marco durch die schwere Stahltür, die Treppe hinauf, an die frische Luft. Erst jetzt spürt sie, wie betrunken sie eigentlich ist. Marco zündet eine Zigarette an, schiebt sie ihr zwischen die Lippen. „Sei froh, dass du den los bist“, sagt er, macht ein paar Tanzschritte auf der verlassenen Straße. „Um den geht es doch gar nicht“, murmelt Linna, betrunken und unsicher, was sie denken soll. Sie ist ein bisschen erleichtert, dass er weg ist, die Geschichte erledigt, ehe es kompliziert geworden wäre, aber schlimm ist es schon, hat ihr Kuss ihn vertrieben, so schlimm kann es doch nicht gewesen sein. „Herzchen“, sagt Marco, sie muss wirklich unglücklich aussehen, denn er umarmt sie lange, das ist sonst nicht seine Art, „mach dir keinen Kopf, du pennst bei mir und morgen lachen wir ihn einfach aus.“ Sie setzen sich nebeneinander auf die Bordsteinkante, Marco legt seinen Arm um sie, sie rauchen schweigend, Linna friert, aber es ist in Ordnung.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Männerbekanntschaften sind überbewertet und so ist es doch am besten, Katrin wird auch gleich die Treppe hochstolpern, irgendwo hinter dem Fernsehturm wird es bereits hell, die orangen Wagen der Straßenreinigung biegen um die Ecke und fegen mit großen rotierenden Bürsten Zigarettenkippen und Erinnerungen in die Kanalisation.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Findest du dein Leben manchmal unwirklich, würde Linna gern fragen, unfähig, das Schweigen zu brechen, das sind diese Fragen, die einem betrunken so schrecklich tiefgründig erscheinen, doch sie hinterlassen einen schalen Geschmack im Mund, man sollte nicht reden, man sollte tanzen und lachen und singen und nicht anfangen nachzudenken. Den Schwindel zulassen und genießen. Ein paar Stunden lang jemand Anderes sein, es ist viel schwerer, als es klingt. &lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Fünf, sechs junge Menschen kommen aus dem Club, sehen sich um, kichern und singen, Katrin ist nicht dabei. „Wollen wir los?“, fragt Marco, Linna zögert, dann schüttelt sie den Kopf. „Ich wäre lieber allein, sorry, ich fahre nach Hause. Aber danke.“ Sie streicht ihm unbeholfen durch die Haare, steht umständlich auf und hastet die Treppe hinunter, holt ihre Jacke, hält den Kopf gesenkt, kann aus den Augenwinkeln weder Katrin noch Lukas erkennen. Sie möchte nach Hause, nach Hause, in Fötusstellung unter der Bettdecke liegen  und sich zu Morrissey in den Schlaf weinen. Why did you give me so much love in a loveless world when there's no-one I can turn to to unlock all this love? Vor dem Eingang zur U-Bahn-Station dreht sie sich noch einmal um, Marco sitzt immer noch auf der Bordsteinkante, ein regungsloser olivgrüner Fleck. Ich könnte zu ihm zurück, denkt sie, doch ehe sie den Gedanken zu Ende bringen kann, steht sie auch schon am Gleis, eine Bahn donnert heran, sie sucht sich einen Platz und lehnt die Stirn gegen die kühle Fensterscheibe.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;„Hey.“&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Linna zuckt nicht einmal zusammen, auch wenn sie es hasst, in der U-Bahn angesprochen zu werden, dreht nur langsam den Kopf, Lukas sitzt ihr gegenüber, plötzlich, lächelt breit, zeigt seine Zähne, viele Zähne, vielleicht ein bisschen zu viele Zähne, denkt sie verwirrt. Er trägt eine schwarze Kapuzenjacke, sieht bleich aus im Neonlicht, unwirklich. „Ich dachte schon, du wärst mit dem Typen weggegangen, da hab ich ja ein Riesenglück gehabt.“ Er legt eine Hand auf ihr Knie, im Bruchteil einer Sekunde rauscht eine Gänsehaut über ihren ganzen Körper. „Du warst plötzlich weg“, sagt sie, erschrocken über ihre raue Stimme, die kennt sie sonst nicht an sich. „Halt mich nicht für einen Arsch, bitte. Ich kenn die Leute noch nicht so lange, ich muss mich da noch ein bisschen anpassen.“ &lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Linna nickt automatisch, wird plötzlich traurig, denkt an ihre ersten Monate in der Stadt, ohne Katrin wäre sie nicht so gut angekommen. Der abgestandene Geruch im Treppenhaus, zum ersten Mal in der U-Bahn angepöbelt werden, die fremden Gesichter auf der Straße, die Geräusche aus der Nachbarwohnung. Lukas nimmt seine Hand von ihrem Knie, der Fleck, auf dem sie gelegen hat, wird kalt. Unsicher sieht sie ihn an. &lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;„Ich muss hier raus. Kommst du mit? Ich kann jetzt nicht einfach so aussteigen und dich wegfahren lassen.“ &lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Sie kann sich in seinen Augen spiegeln, die U-Bahn hält, wortlos steht sie auf, nimmt seine Hand.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Ein rosaroter Streifen am Horizont, die ersten Vögel, ihre Schritte hallen viel zu laut auf dem Kopfsteinpflaster. Die schwere alte Holztür fällt krachend hinter ihnen ins Schloss, ein Katzenklo im Hausflur, es riecht nach Reinigungsmitteln, citrusfrisch. Seine Wohnung, hell und ordentlich, sie setzt sich auf seine Bettkante, „ich bin gleich zurück, hol uns was zu trinken.“ Sie fährt mit der Hand über die Bettdecke, blau, weich, hebt ein paar CDs vom Boden auf, die neben dem Kopfende liegen. Kein Morrissey. Wie gern hätte sie ihn jetzt bei sich, er könnte ihr sagen, wie sie sich verhalten soll. Bei Jarvis Cocker geht es um Sex, das ist zu eindeutig und zu beunruhigend, sie schiebt eine Massive Attack-CD in die Stereoanlage, das ist unverfänglich, das ist Musik, die jeder mag, das ist perfekt. Lukas kommt wieder, mit zwei Weingläsern in der Hand, sorgsam schließt er die Tür hinter sich. Er drückt ihr ein Glas in die Hand, sie stoßen an, sie trinkt einen Schluck, der Wein ist gut, frisch und fruchtig und er betäubt die aufkeimende Panik. „Warum ausgerechnet ich?“, fragt sie leise, sieht zu Boden. „Wer sonst?“, entgegnet er, seine Stimme klingt ebenso heiser wie ihre. Sie nimmt einen großen Schluck Wein, stellt ihr Glas auf den Teppichboden, sieht ihn an, beugt sich vor, schließt die Augen, küsst ihn. Er atmet tief, berührt ihre Taille, ihren Rücken, sie lässt sich nach hinten fallen, wie ferngesteuert, er atmet auf ihren Hals, küsst ihren Nacken, greift unter ihr Kleid. Sie hält die Augen geschlossen, so machen es die Anderen, warum nicht.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Manchmal weißt du nicht, wie allein du dich fühlen kannst, im Moment größtmöglicher Nähe, du bist nicht mehr Herr deiner selbst und Kopf und Körper agieren vollkommen unabhängig voneinander, deine Finger krallen sich in fremde Haut und suchen Halt und dein Kopf fällt und fällt; fremde Hände an Körperstellen, die du ganz vergessen hattest, die Augen so fest geschlossen, als wolltest du sie nie wieder öffnen. Irgendwo im Hintergrund hörst du Massive Attack, hörst du dich atmen, ihn atmen, wie aus einer anderen Welt. Es fühlt sich nicht schlecht an, es ist in Ordnung und in ein paar Stunden wirst du deiner besten Freundin davon erzählen und es herunterspielen, weil sie nicht weiß, wie du dich dabei fühlst, so winzig klein, im freien Fall in einem riesigen Raum und es riecht nach Aftershave und Waschmittel und ein bisschen nach Schweiß. Why do you come here? Und warum bist du nicht in deinem Zimmer, das dich einschließt und beschützt und bei der Stimme, die dich seit Jahren begleitet wie ein alter Freund, die dir nahe kommt wie niemand. Und dann ist es vorbei und er liegt neben dir und du versuchst zu verstehen, was gerade passiert ist, du bist nicht glücklich oder traurig, du fühlst dich nur allein und wünschst dir, Morrissey wäre bei dir, auch wenn du dir besser wünschen solltest, du hättest ein ganz normales Leben, vielleicht sogar ohne Morrissey.&lt;/div&gt;&lt;div style="text-align: justify;"&gt;Linna wartet, bis Lukas gleichmäßig atmet und sich mit dem Gesicht zur Wand dreht, seine Schultern sehen schmal aus, sie berührt kurz sein Haar, ein bisschen struppig, aber es fühlt sich gut an. Sie kennt die Gedanken, die sie in den kommenden Nächten begleiten werden, die Vorstellung, wie er in diesem Moment aufwacht und sie ansieht und merkt, dass sie gehen will, sie in die Arme nimmt und sie nie wieder loslässt, das Traumpaar, Lukas und Linna, wie sie sich in seinen Armen einrollt und sich wünscht, in ihm verschwinden zu können. Doch er schmatzt nur leise im Schlaf, sie schlüpft unter der Bettdecke hervor, es ist kalt im Zimmer, sie zieht ihr Kleid über den Kopf. Die Strumpfhose kann sie nicht finden, egal, schnell in die Schuhe und raus aus dem Zimmer, die Tür lässt sie angelehnt. Im Hausflur kann sie wieder Luft holen, hält auf jedem Treppenabsatz kurz inne, vielleicht folgt er ihr, bittet sie zu bleiben, ihr Herzschlag dröhnt in ihren Ohren. Auf der Straße kommt ihr ein junger Mann mit Brötchentüte unter dem Arm entgegen, grinst sie wissend an, sie kann sich vorstellen, wie sie gerade aussieht, möchte es nicht sehen. An der nächsten Kreuzung sucht sie nach Orientierung, sieht sich noch ein letztes Mal um, die Straße ist leer. Es ist nicht weit nach Hause, Katrin wird noch schlafen, hoffentlich, sie fühlt sich nicht dazu in der Lage, sich mit irgendjemandem zu unterhalten. Wird Lukas froh sein, wenn er nachher allein aufwacht? Vielleicht tut sie ihm unrecht, wahrscheinlich nicht. Er wird aufwachen und wie selbstverständlich Frühstück machen, die Nacht nach ein paar Tagen vergessen haben. Katrin wird sie ein paar Wochen lang mit der Geschichte aufziehen, Marco wird so tun, als sei  nichts geschehen, Linna wird an Lukas denken und traurig werden und Morrissey-Zitate in ihr Tagebuch schreiben. No hope, no harm, just another false alarm.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Morrissey hat mir falsche Vorstellungen von Liebe vermittelt.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Soundtrack:&lt;br /&gt;Morrissey – Suedehead&lt;br /&gt;Oasis – Champagne Supernova&lt;br /&gt;The Smiths – There Is a Light That Never Goes Out&lt;br /&gt;The Stone Roses – Made of Stone&lt;br /&gt;Pulp – Underwear&lt;br /&gt;Morrissey – I Have Forgiven Jesus&lt;br /&gt;The Smiths – Last Night I Dreamt That Somebody Loved Me&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/5715823201048935669-1426425281394918071?l=iwishihadaclue.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://iwishihadaclue.blogspot.com/feeds/1426425281394918071/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=5715823201048935669&amp;postID=1426425281394918071' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/5715823201048935669/posts/default/1426425281394918071'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/5715823201048935669/posts/default/1426425281394918071'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://iwishihadaclue.blogspot.com/2010/12/why-do-you-come-here.html' title='Why do you come here?'/><author><name>julie</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://3.bp.blogspot.com/_-1BOnHI_TlU/Ssnszm4VC3I/AAAAAAAAAMM/ey_arJUNO08/S220/2516028063_cc68190600.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-5715823201048935669.post-7969885521556296748</id><published>2009-02-10T20:06:00.002+01:00</published><updated>2009-02-10T20:13:51.580+01:00</updated><title type='text'>sickergrube [vorlesungsprotokoll]</title><content type='html'>komm, wir steigen hinab und bleiben unter der erdoberfläche, wir haben uns luftschächte gegraben, damit wir nicht ersticken, denn ersticken, sagtest du, ist ein schrecklicher tod. und so sitzen wir hier, es ist warm und feucht und dunkel und wir sitzen hier ganz still und die welt zieht an uns vorbei, wir halten uns an den händen und versuchen, die gedanken des anderen zu lesen. wird uns irgendjemand hier finden, frage ich mich, doch wer wird hier schon nachsehen, wer sieht schon unter die erdoberfläche und wie sinnlos ist die frage, ich hoffe, du kannst meine gedanken nicht lesen, denn wir sind ja nicht hinabgestiegen, damit uns jemand findet.&lt;br /&gt;wir könnten uns zerschneiden und das blut sickert in die erde, niemand wird es sehen, und verbluten ist ein wunderschöner tod, denkst du, glaube ich, deine hände zucken leicht. wir könnten auch auf den regen warten, ganz langsam wird er sich seinen weg durch die erde bahnen und wir sitzen inmitten eines dunklen, dampfenden schwamms, ganz langsam würde er uns ersticken, wären da nicht die luftschächte, durch die die wassertropfen unerbittlich auf uns niederprasseln, jeder tropfen ein nagel an dem sarg, den niemand für uns zimmern wird und zuerst sind deine haare ganz nass und deine finger werden klamm und du kannst sie nie wieder von meinen lösen und es regnet schlammbrocken auf uns und der schlamm dringt langsam in uns ein. unser leben sickert langsam in die erde und niemand wird es finden, niemand wird uns berühren und sagen "oh, erkaltet, sie sind schon lange tot" und wahrscheinlich sind wir doch erstickt, denn ersticken, weißt du, ist ein schrecklicher tod.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/5715823201048935669-7969885521556296748?l=iwishihadaclue.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://iwishihadaclue.blogspot.com/feeds/7969885521556296748/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=5715823201048935669&amp;postID=7969885521556296748' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/5715823201048935669/posts/default/7969885521556296748'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/5715823201048935669/posts/default/7969885521556296748'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://iwishihadaclue.blogspot.com/2009/02/sickergrube-vorlesungsprotokoll.html' title='sickergrube [vorlesungsprotokoll]'/><author><name>julie</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://3.bp.blogspot.com/_-1BOnHI_TlU/Ssnszm4VC3I/AAAAAAAAAMM/ey_arJUNO08/S220/2516028063_cc68190600.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-5715823201048935669.post-926661197858557960</id><published>2008-12-12T21:46:00.003+01:00</published><updated>2008-12-12T22:45:58.747+01:00</updated><title type='text'>[soap-opera content] on va sortir ce soir</title><content type='html'>carolina steht mitten auf der tanzfläche, über ihrem kopf eine große discokugel, und wie die silbrige kugel an der decke dreht sich auch carolina unablässig um sich selbst, nur dass sie keine kleinen lichtpunkte an die wände und auf den boden wirft, denkt darius und trinkt einen schluck bier aus seiner flasche. sein blick wandert durch den raum, trifft sarahs blick, sie lächelt amüsiert, läuft dann quer über die tanzfläche, ohne carolina zu beachten, die jetzt ihre arme weit ausbreitet, und stellt sich neben darius. &lt;br /&gt;- geht's dir gut?, ruft sie in sein ohr, darius nickt und hebt seine flasche, das glas schlägt leicht gegen sarahs, beide trinken einen schluck, lächeln sich an und beobachten carolina, die ihre freunde selig anstrahlt.&lt;br /&gt;- kommt tanzen!, schreit sie durch den raum. sarah hebt abwehrend die hände, darius schüttelt den kopf, carolina tanzt weiter, ganz allein unter der discokugel. sie sieht wunderschön aus, denkt sarah, mit ihren langen blonden locken und dem kurzen braunen kleid. wunderschön, denkt darius.&lt;br /&gt;als sie die discothek verlassen, regnet es in strömen, darius zieht seine jacke aus, will sie carolina über die schultern hängen, sie wehrt lachend ab. sarah schiebt ihre hände in die hosentaschen, zieht die schultern hoch, fröstelnd, sieht in den lichtkegel der straßenlaterne. der regen fällt schnurgerade, ein dichter vorhang, carolina berührt besorgt ihre haare, jetzt schon klatschnass. darius hält seine jacke jetzt in sarahs richtung, sie schüttelt stumm den kopf.&lt;br /&gt;endlich nimmt carolina ihm die jacke aus der hand, hält sie sich über den kopf, läuft einen großen schritt auf die straße zu und quietscht, als sie in eine pfütze tritt. sarah geht einen schritt zurück, in den schatten der mauer, versucht sich eine zigarette anzuzünden. nach vier versuchen brennt sie, endlich, sie bläst rauchwolken in die regenfäden. sie bleiben dort lang hängen, unbeweglich, lösen sich nur langsam auf.&lt;br /&gt;- ich will noch nicht nach hause, lasst uns noch irgendwo hingehen!, ruft carolina, tänzelt auf darius und sarah zu, greift nach ihren händen, die jacke über den kopf gehängt. zu dritt sich an den händen haltend rennen sie los, platschen durch die pfützen, sarah wirft ihre zigarette achtlos auf den boden, ihr herz wird ganz leicht. sie liebt es, mit carolina und darius durch die stadt zu laufen, nachts, betrunken, wenn die anderen menschen nur noch schemenhaft zu erkennen sind und nur noch diese drei wichtig sind, sarah, carolina, darius. job unwichtig, familie unwichtig, weltpolitik unwichtig. musik, alkohol, zigaretten.&lt;br /&gt;vor einer kneipe bleiben sie stehen, alle drei gleichzeitig, lachend und atemlos. blickwechsel, dann stößt carolina die tür auf und all die trinker richten ihre blicke auf sie, darius' jacke fällt zu boden, er bückt sich, hebt sie auf, sarah und carolina gehen an ihm vorbei, setzen sich an den letzten freien tisch, sarah zündet sich eine zigarette an. darius quetscht sich neben sie, carolina bestellt bier und vodka für alle.&lt;br /&gt;- vodka aus wassergläsern, fügt sie hinzu, lacht. darius trommelt mit den fingern auf dem tisch, schüttelt den kopf.&lt;br /&gt;- oh mann, dass wir wieder in diesem loch landen, und die musik, ein elend, mädels, wie halte ich das bloß aus?&lt;br /&gt;carolina tätschelt seinen kopf, sarah lacht, darius wird rot. wortlos stellt der barkeeper bier und große gläser voller vodka auf den tisch, carolina sieht dem jungen mann hinterher, gro, blass und schweigsam, schwarze haare fallen ihm ins gesicht, wenn er hinter der theke gläser spült. sie versucht ihm zuzulächeln, er beachtet nur das glas, das er gerade poliert. "der idiot", denkt darius bitter und nippt an seinem bier. sarah und carolina unterhalten sich über irgendetwas, darius kann ihnen nicht folgen, die beiden mädchen kennen sich so lange und es fällt schwer, ihre aufmerksamkeit zu erlangen, sie scheinen sich blind zu verstehen. darius seufzt ein wenig. welcher mann mitte zwanzig geht schon wochenende für wochenende mit zwei damen weg, die ständig aneinanderkleben und doch unterschiedlicher nicht sein könnten, von denen er eine niemals haben wird und eine nicht haben will. carolina, seine schöne kommilitonin, und sarah, die stille verkäuferin aus dem schreibwarenladen, die er anderen gern als seine kleine schwester vorstellt. &lt;br /&gt;carolina hebt das glas mit der klaren flüssigkeit, sarah und darius tun es ihr nach, der vodka brennt in der speiseröhre und füllt den körper mit einer angenehmen wärme, darius zieht eine zigarette aus sarahs schachtel, lehnt sich zurück, legt einen arm um sarah, dankbar rutscht sie an ihn heran, macht sich klein. carolina lacht.&lt;br /&gt;- ihr wärt so ein süßes paar!, und sarah und darius verziehen analog das gesicht.&lt;br /&gt;unaufgefordert bringt der barkeeper wieder vodka an den tisch, diesmal hält carolina ihn am ärmel fest.&lt;br /&gt;- bleib doch kurz bei uns sitzen und trink einen mit, ist doch eh keiner mehr da.&lt;br /&gt;der junge mann sieht sich um. tatsächlich hat sich die kneipe schlagartig geleert, ein einsamer trinker sitzt noch am tresen und hält sich an seinem bier fest. carolina hat ihr schönstes strahlendes lächeln aufgesetzt, sarah nickt kaum merklich, darius sieht mürrisch auf die tischplatte. der mann zögert kurz, geht dann zur theke, holt die vodkaflasche und ein leeres glas und setzt sich zu ihnen. unter dem tisch tritt carolina gegen sarahs schienbein, die mädchen tauschen einen kurzen blick, ein grinsen huscht über sarahs gesicht, darius kann es nicht fassen, ein fremder dringt in ihre runde ein, er sollte es nicht zulassen und streckt dem fremden doch seine hand entgegen.&lt;br /&gt;- hi, darius, stellt er sich vor, der fremde schüttelt die hand, ein kräftiger, warmer händedruck.&lt;br /&gt;- lorenz.&lt;br /&gt;darius sieht, wie carolinas gesicht aufleuchtet, lorenz und carolina, das gefällt ihr und ihr charme sprüht, darius trinkt sein glas in einem zug aus, sarah zündet sich eine zigarette an und lehnt sich an ihn, das tröstliche dieser berührung lässt sein herz einen kleinen sprung machen.&lt;br /&gt;- jetzt sind wir wieder die statisten, flüstert sie ihm ins ohr, grinst und verdreht ein wenig die augen, eine heiße welle von dankbarkeit schwappt durch darius' körper. &lt;br /&gt;es wird immer später und irgendwann muss lorenz die kneipe schließen und den einsamen trinker vor die tür setzen. carolina, darius und sarah stehen auf der straße, es regnet nicht mehr. darius gähnt, sarah wühlt in ihren taschen nach kleingeld für den zigarettenautomaten, carolina tritt unruhig von einem fuß auf den anderen.&lt;br /&gt;- er ist toll, so klug, und witzig und vor allem nicht so ein angeber, der abend kann doch noch nicht einfach vorbei sein, flüstert sie.&lt;br /&gt;- dann gehen wir noch zu dir, gucken einen film oder so, er kommt sicher mit, schlägt sarah vor, carolina strahlt.&lt;br /&gt;- du bist die allerbeste!&lt;br /&gt;darius kann es nicht fassen, er wollte heute doch kein statist sein, sondern der strahlende hauptdarsteller, der prinzessin carolina auf händen in ihr himmelbett trägt, doch als sarah ihn in die seite knufft, weiß er, dass es keinen ausweg gibt, dass er den dritten akt seiner niederlage miterleben muss, dass er sarah nicht allein lassen kann. also nickt er. lorenz kommt aus der kneipe, schließt ab, wendet sich zum gehen.&lt;br /&gt;- wir gehen noch zu mir und schauen filme, kommst du mit?, fragt carolina atemlos, lorenz sieht erst sie an, dann sarah, und nur zu sarah sagt er&lt;br /&gt;- ja, gerne.&lt;br /&gt;carolina ist wie vor den kopf gestoßen, einen augenblick lang, dann hat sie ihr lächeln wieder unter kontrolle und hakt sich bei lorenz ein. darius und sarah folgen den beiden mit ein wenig abstand, beide sind sehr betrunken.&lt;br /&gt;- er ist seltsam, lorenz, oder? ich kann ihn gar nicht einschätzen, er passt doch gar nicht zu carolina, sagt sarah leise und nachdenklich, lacht dann und greift nach darius' hand, &lt;br /&gt;- wir sind schon ein merkwürdiger haufen.&lt;br /&gt;lorenz ist wirklich komisch, denkt darius, überhaupt nicht carolinas typ, wie ermüdend, dieses wer mit wem. an carolina ist zumindest heute abend nicht mehr zu denken, wie lange hofft er schon, einmal mit ihr schlafen zu können? zwei jahre?&lt;br /&gt;carolina schließt die haustür auf, betrunken poltern alle vier durchs treppenhaus, "pscht, pscht" macht carolina kichernd, nach drei anläufen findet sie den richtigen schlüssel und sie stehen in ihrer winzigen zweizimmerwohnung, stolpern über die schuhe, die sich neben der tür stapeln. carolina flitzt durch ihr dunkles zimmer und zündet alle kerzen an, die sie finden kann, sucht einen film, der beeindruckend genug ist um zu betonen, dass sie kunst studiert. sarah setzt sich aufs bett und hustet, viel zu viel geraucht. carolina hat den film gefunden, sie sitzen zu viert nebeneinander: darius, sarah, lorenz, carolina. schwarz-weiße bilder flackern im raum und sarah kann carolina nur bewundern, wie macht sie das nur immer, schöne männer aus kneipen zu sich nach hause locken, kluge filme gucken, natürlich wird er nachher mit ihr schlafen. sie ist nicht neidisch auf ihre freundin, auch wenn sie sich manchmal auch so ein leben wünscht, mit männern und schwarzweißfilmen und all dem. mit langen blonden haaren und kurzen kleidern, shopping bei zara, kaffee bei starbucks, einen fettarmen vanille-cappuccino bitte, und der kaffeeverkäufer blinzelt ihr zu. sarah hat immer gesagt, das mit den männern sei ihr nicht so wichtig, hauptsache mit freunden zusammen sein, mit carolina und darius die nächte verbringen. plötzlich spürt sie einen kleoß im hals, springt auf, verlässt das zimmer, setzt sich in der dunklen küche auf den fußboden, die stimmen aus dem fernseher sind nur noch gedämpft zu hören. sie zwingt sich, ruhig zu atmen und sich zu fragen, was los ist, wie man sein leben und seine freunde von einem moment auf den anderen nicht mehr ertragen kann.&lt;br /&gt;und dann steht ein schatten in der türöffnung,, zu groß, um darius zu sein, es ist lorenz, was...&lt;br /&gt;- was machst du denn hier?, fragt er, leise, setzt sich neben sie auf den boden.&lt;br /&gt;- die frage ist doch eher, was machst du hier?&lt;br /&gt;klang das zu pampig, vielleicht, doch er klingt nicht unfreundlich, als er antwortet.&lt;br /&gt;- mir ist das alles hier zu inszeniert, kann ich eine zigarette von dir haben?&lt;br /&gt;und sie rauchen und schweigen und sarahs herz klopft, ich verrate meine beste freundin, sie wollte ihn haben und er sitzt hier mit mir im dunkeln und er mag es nicht, wie sie ihn ins bett kriegen will, endlich einmal jemand, der es durchschaut.&lt;br /&gt;- warum bist du überhaupt mitgekommen?, fragt sarah schließlich und denkt, nur in einem schrecklich kitschigen liebesfilm könnte er jetzt "deinetwegen" sagen, so etwas passiert nur in den kitschigen geschichten, die mädchen in die notizbücher schreiben, die sie bei ihr im laden kaufen, aber nicht um halb sechs im halbdunkel von carolinas küche. und er sagt es tatsächlich nicht, stattdessen streicht er ihr über die wange, übers haar und sie dreht sich ungläubig zu ihm und er küsst sie, sarah wird schwindelig, das kann doch alles nicht wahr sein, sie sitzt in der küche ihrer besten freundin und küsst einen fremden barkeeper und der kuss ist wunderschön und ihr herz klopft im takt.&lt;br /&gt;bis das licht angeht, ein ungläubiges schnauben von carolina, hinter ihr steht darius und guckt grimmig. einmal glücklich sein, denkt sarah, springt auf, drängt sich an den beiden vorbei, sie will nichts hören, nichts sagen, nichts denken. sie verlässt die wohnung, stürmt die straße entlang, nichts könnte schlimmer sein, als lorenz, der ihr folgt, nichts könnte schöner sein, doch keine schritte hinter ihr, die stadt ist wie ausgestorben, sarah kneift die augen zusammen, um nicht weinen zu müssen, und läuft halbblind in den sonnenaufgang.&lt;br /&gt;sie wird die drei nie wiedersehen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/5715823201048935669-926661197858557960?l=iwishihadaclue.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://iwishihadaclue.blogspot.com/feeds/926661197858557960/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=5715823201048935669&amp;postID=926661197858557960' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/5715823201048935669/posts/default/926661197858557960'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/5715823201048935669/posts/default/926661197858557960'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://iwishihadaclue.blogspot.com/2008/12/soap-opera-content-on-va-sortir-ce-soir.html' title='[soap-opera content] on va sortir ce soir'/><author><name>julie</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://3.bp.blogspot.com/_-1BOnHI_TlU/Ssnszm4VC3I/AAAAAAAAAMM/ey_arJUNO08/S220/2516028063_cc68190600.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-5715823201048935669.post-2487073885025960837</id><published>2008-07-05T20:38:00.000+02:00</published><updated>2008-07-05T20:39:23.134+02:00</updated><title type='text'>... das war nichts.</title><content type='html'>Es wird schwieriger zu reden.&lt;br /&gt;Den Mund öffnen, die Luft kommt aus den viel zu matten Lungenflügeln, die Stimmbänder produzieren Laute. Der Mund, die Lippen formen Worte, klagen, schreien, flehen. Das Schwierigste sind die Fragen. Der Kopf kommt nicht mehr mit, zu viele Fragen, wer bist du, was haben wir gemeinsam und was nicht, können wir uns berühren, vielleicht besser nicht, Reihenfolge beliebig. Der Kopf setzt irgendwann aus, dann kollabieren die Lungen, die Luft verlässt lautlos, kraftlos den Körper und plötzlich liegt man auf dem Tisch, leblos, die Arme ausgebreitet, die Hände umklammern die Tischkante, Stirn und Nase hinterlassen schmierige Abdrücke auf dem glatt polierten Holz.&lt;br /&gt;Es ist vorbei.&lt;br /&gt;Das war die erste Verabredung, so viel gespielt, mit falschen Karten und pochendem Herzen, um diesen Tag zu erreichen, und dann endet es doch auf dieser Tischplatte und dem Gedanken „Wir müssen intubieren!“, weil man vorher seine Nervosität mit amerikanischen Arztserien bekämpfen wollte. Ein Luftröhrenschnitt wäre kein Problem gewesen. Nur ein Problem, dich kennen zu lernen.&lt;br /&gt;Dich kennen, was heißt das überhaupt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich kenne dich doch schon lange, ohne dass du meine Existenz überhaupt erahnen konntest. Ich wusste, in welchen Zug du morgens steigst, um zur Arbeit zu fahren. Montag bis Freitag, 7:16 Uhr, Ostbahnhof und ich hinter der fleckigen Scheibe des Wartesaals, hoffend und spähend, du mit einer Zeitung unter dem Arm, du trugst im Winter einen grünen Mantel, im Sommer karierte Pullover, blau-weiß meist, die Haare kurz, glatt rasiert. Um fünf Uhr früh klingelte mein Wecker, um dem alten, müden Mann am Kiosk deine Zeitung aus den Händen zu reißen, begierig zu erfahren, was du bald lesen würdest. Ich trank den gleichen Kaffee wie du, stand so oft hinter dir, als du ihn beim Bäcker bestellt hast, ein großer Kaffee, ohne Milch und ohne Zucker, 1,30 €. Nach jedem Kaffee wurde mir schwindelig, nur mit Mühe hielt ich mich aufrecht, um dich beobachten zu können, du trankst ihn gierig, dazu eine Zigarette, blaue Schachtel, 17 Zigaretten für 3,90 €. Nie ein Brötchen, nie eine Puddingschnecke, während mein Magen sich zusammenzog, zogst du an einer Zigarette, achtlos, ein sechster Finger an deiner linken Hand.&lt;br /&gt;Ich kaufte mir Fahrkarten, viele Fahrkarten, ich stieg in den gleichen Zug, fuhr vier Stationen mit, eine Station weiter als du, mal hinter dir sitzend, mal vor dir. Angespannt. Leer, ohne jede Bodenhaftung. Ich roch dein Parfum, das sich in Zeitung, Kaffee und Zuggeruch mischte. Hörte deinen Namen, als du dich am Telefon melden musstest, hörte deine Stimme, sie war warm und leise und noch ein wenig schläfrig.&lt;br /&gt;Jakob.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jakob, der schönste Mann der Welt, den ich eines Tages entdeckt hatte, zufällig warst du mir über den Weg gelaufen und ich fasziniert von dem Mann, dem genauen Gegenteil von mir, du saßt im Café am Nachbartisch und alles an dir so fein und klug und ernst, ich plump und ungeschickt, prompt meinen Kaffee auf die Tischplatte kleckernd. Ich habe dich entdeckt und du hast mich nicht bemerkt, wie oft wir uns in dieser kleinen Stadt über den Weg gelaufen sind, nie hast du mich gesehen, nie gespürt, wie mein Herz sich vor Sehnsucht wehrte, in meinem Körper zu bleiben, wollte zu dir und dir gehören, ohne dich zu kennen, es ist so viel leichter zu lieben, ohne sich zu kennen. Es ist so schwer, mich zu lieben, wenn man mich kennt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Irgendwann war es mir über, in dieser unbekannten Stadt auszusteigen, durch die ich täglich ziel- und orientierungslos streifte, ich stieg zusammen mit dir aus, folgte dir, mit klopfendem Herzen. Ich liebte deine Schritte, dein Schlenkern mit den Armen. Du hast dich niemals umgedreht.&lt;br /&gt;Ich sammelte Quittungen, die du achtlos wegwarfst, aus dem Müll, am 27. Oktober warst du einkaufen, Äpfel, Zwiebeln, Nudeln, Schokolade und eine Flasche Fanta, seitdem kaufte ich nur noch in dieser Supermarktkette ein, immer in der Hoffnung, du stündest plötzlich vor mir, lächelnd, im Regal mit den Tütensuppen. Du musst mich doch auch kennen. Doch ich blieb unentdeckt, allein, brennend in dem Wunsch, deine Stimme einmal meinen Namen sagen zu hören.&lt;br /&gt;Ein Anderer klopfte an meine Tür und bat mich, bleiben zu dürfen, ich schickte ihn weg und kaufte mir dunkelgrüne Farbe. Jakob, schrieb ich mit einem breiten Pinsel an die weiß getünchte Wand. Die Farbe hinterließ Spritzer auf dem Sofa und auf dem Teppichboden. Drei Tage später schämte ich mich, doch die Farbe blieb, so wie alles blieb, wie auch die Zeitung, der Kaffee und die Züge.&lt;br /&gt;Es wurde Winter, du trugst manchmal eine schwarze Pudelmütze, sie stand dir nicht. Ich kaufte mir Handschuhe, stand frierend am Gleis, der Kaffee im hellbraunen Pappbecher wurde zu schnell kalt. Eines Morgens fiel so viel Schnee, dass die Gleise blockiert waren, unschlüssig stand ich auf dem Bahnsteig, frierend, du sahst immer wieder auf die Uhr, ärgerlich und unruhig. Sahst dich um, sahst mich an, mein Herz blieb stehen. Zwei Schritte auf mich zu, noch einer, du standst vor mir.&lt;br /&gt;„Du fährst doch jetzt auch nach...“&lt;br /&gt;Nicken. Eine Atemwolke vor deinem Mund.&lt;br /&gt;„Wollen wir uns vielleicht ein Taxi teilen?“&lt;br /&gt;Kammerflimmern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Monate, vielleicht Jahre hinter dir, immer unsichtbar und Liebe in Gedanken und plötzlich, du sahst mich an, deine Augen in meinen spiegelnd, ich weiß nicht mehr, wie ich mich aufrecht halten konnte. Schwindelnd unter deinen Blicken, dein Lächeln, ein brausender Ozean in meinem Kopf, keine Zeitung bei mir, hinter der ich mein Gesicht verstecken könnte. Auf mich allein gestellt, auf dich und mich, du freundlich lächelnd, ich halb tot. So gehofft, mit dir zu reden, deine Stimme zu hören, die einmal meinen Namen sagt.&lt;br /&gt;Nebeneinander auf dem Rücksitz, ich sah krampfhaft aus dem Fenster, bloß nicht deinem Blick begegnen. Ein Kloß im Hals, der auch durch Räuspern nicht zu besiegen war. Draußen die weiße Landschaft und in mir der Wunsch, aus dem fahrenden Auto zu springen und mich im Schnee zu vergraben. Die Augen des Taxifahrers im Rückspiegel, dein Atem, leise, mir war schwindelig. Zu viel, zu plötzlich.&lt;br /&gt;Das Taxi hielt an der Straßenecke vor deinem Büro, wortlos hielt ich dem Fahrer einen Geldschein hin, 46,50 € für zu lange Minuten Schweigen, aussteigen, tief Luft holen, dich einmal ansehen.&lt;br /&gt;Und unsere Blicke, sie trafen sich.&lt;br /&gt;„Ich bin früh dran, hast du vielleicht noch Zeit für einen Kaffee?“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist viel leichter zu lieben, ohne zu sprechen, zu lieben hinter schmierigen Glasscheiben und auf Bahnsteigen, zu lieben, ohne geliebt zu werden, ohne gehasst zu werden. Und all die Umwege und Verfolgungen, falsch gespielt und mich selbst verraten, wollte ich dich jemals kennenlernen? Die Chance zum Greifen nah und kein Wort kommt über meine Lippen, Jakob mir gegenüber, freundliche Fragen, die sich in das Stimmengewirr des Cafés mischen. Wer bist du, was machst du und warum spielt sich dein Leben an diesem Bahnhof ab. Ich sitze stumm da, mit offenem Mund und leerem Blick und leerem Kopf, wir sind näher zusammen und weiter voneinander entfernt, als wir es je waren. Wir können uns nicht kennenlernen, ich kann dich nicht kennenlernen, mir bleibt nur der Gedanke, die Idee, die ich von dir habe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich meide die Bahnhöfe.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/5715823201048935669-2487073885025960837?l=iwishihadaclue.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://iwishihadaclue.blogspot.com/feeds/2487073885025960837/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=5715823201048935669&amp;postID=2487073885025960837' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/5715823201048935669/posts/default/2487073885025960837'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/5715823201048935669/posts/default/2487073885025960837'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://iwishihadaclue.blogspot.com/2008/07/das-war-nichts.html' title='... das war nichts.'/><author><name>julie</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://3.bp.blogspot.com/_-1BOnHI_TlU/Ssnszm4VC3I/AAAAAAAAAMM/ey_arJUNO08/S220/2516028063_cc68190600.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-5715823201048935669.post-2819366072764682062</id><published>2007-11-16T17:01:00.000+01:00</published><updated>2007-11-17T09:26:10.047+01:00</updated><title type='text'>nächtliche ruhestörungen</title><content type='html'>der flur ist gruselig. der flur hat keine fenster. wenn alle türen verschlossen sind, wenn aus keiner türritze mehr ein lichtstrahl dringt, ist es so dunkel, wie es noch nicht einmal unter tage, in einem stollen eines kohlebergwerks sein kann. es ist dunkel und unheimlich still. auf dem fußboden liegt ein dicker teppich, der jeden schritt verschluckt. hannes steht barfuß auf dem teppich, im dunkeln, und fühlt sich, als sei er von kopf bis fuß in schwarzen samt eingewickelt. es ist wirklich ein bisschen gruselig. aber hannes mag die stickige wärme hier im flur. er gräbt seine zehen tief in den teppich. er dreht den kopf. es macht keinen unterschied, ob er nach rechts, nach links, nach oben, nach unten blickt. überall diese schwüle schwärze.&lt;br /&gt;als hannes sich die wohnung zum ersten mal angesehen hat, ist es ihm sofort aufgefallen, ein fensterloser flur, lang, hohe wände. seine frau hat ihm einen skeptischen blick zugeworfen, er hat ihn ignoriert. sie mochte die wohnung nicht. eine bösartige ausstrahlung, hat sie gesagt, da ist etwas böses in den mauern. liebling, das bildest du dir ein. er hat ihr einen arm um die schultern gelegt und ihr von der atemberaubenden couchgarnitur erzählt, die er bei dem italienischen designer entdeckt hatte. am nächsten tag hat er den mietvertrag unterschrieben. und ihr die viel zu teuern sitzmöbel gekauft, die nun herrschaftlich im wohnzimmer stehen, den sie seitdem nur noch 'salon' nennt.&lt;br /&gt;sein plan hatte von anfang an funktioniert.&lt;br /&gt;eine gute taktik, denkt hannes, diw wohl noch bei jeder frau funktioniert hat: kauf ihr was schönes und sie macht, was du willst, ob es nun um familienplanung, sex oder eben wohnungssuche geht. feminismus ist ja gut und schön. aber manchmal will ein mann auch bekommen, was er sich wünscht. hannes atmet tief durch, geht ein paar schritte, tastet, legt die hand auf die türklinke, presst ein ohr gegen das dunkle, kühle holz. nichts zu hören.&lt;br /&gt;vorsichtig drückt hannes die klinke hinunter, geräuschlos schwenkt die tür auf, ein lichtstrahl fällt in den flur, fahles licht auf hannes' füßen, erschrocken zieht er die zehen ein. die vorhänge sind nicht geschlossen, damit hätte er rechnen sollen, und es ist vollmond, es ist meistens vollmond, wenn er, wie heute, schlaflos durch die wohnung wandert. in der alten wohnung haben die dielenbretter immer so geknarrt, wenn er in solchn nächten auf und ab gelaufen ist, seine frau ist davon wach geworden und klagte über migräne und schlimme träume. hier könnte er vermutlich hüpfen, wenn er wollte, aber er ist eigentlich nicht der typ dafür.&lt;br /&gt;hannes schlängelt sich in das zimmer, zieht geräuschlos die tür hinter sich zu. umgeben von spiegeln steht er da, so viele spiegel, er sieht sich um und fühlt sich nicht mehr allein. eigentlich war dies als kinderzimmer geplant, die maklerin hatte es stolz als solches angepriesen, aber weder hannes noch seine frau verspürten je ausgeprägte kinderwünsche. also ist das zimmer zu einem ankleidezimmer geworden, mit vielen schränken und spiegeln, großen, kleinen, glitzernden spiegeln. sie mag es, sich darin zu bewundern.&lt;br /&gt;hannes weiß genau, in welchem schrank sie ihre jogginghosen aufbewahrt, in welchem die schicken taubenblauen kostüme für die arbeit, die sie so gern mit zartrosa blusen kombiniert, und wo die cocktailkleider hängen. letzte woche noch haben sie zusammen ein sündhaft teures, rotes, langes, seidig fließendes etwas gekauft, vielleicht bei versace. bald ist doch wieder so ein empfang, liebes, na gut. dort hängt es, auf einem bügel, hannes nimmt es in die hand, streichelt vorsichtig über den weichen, knisternden stoff, dessen farbe er in diesem komischen zwielicht gar nicht erkennen kann. im geschäft ist es ein sattes, leuchtendes rot gewesen, sie hatte es lebendig genannt, hannes fand es ordinär. also genau richtig. hannes schlüpft aus seinen blaukarierten boxershorts, die er sich neulich bei c&amp;a gekauft hat, er macht sich nicht viel aus seiner kleidung. nur jetzt, in solchen momenten, er streift sich das kleid über, schließt behutsam den reißverschluss am rücken, seine frau braucht dazu immer seine hilfe, er allein ist gelenkig genug. die spiegel werfen sein verschwommenes abbild zurück. unter dem saum ragen seine behaarten knöchel hervor. es ist perfekt. seine taille wirkt so viel schmaler als in den unförmigen jacketts, die er im büro tragen muss. hannes fühlt sich leicht. hannes fühlt sich jung. hannes fühlt sich frei, als er wieder auf den flur tritt und auf dem teppich entlangschreitet, von der eingangstür bis zum gäste-wc, ganz aufrecht, ganz leise, seine zehen im teppich versinkend. der stoff auf seiner nackten brust, der stoff an seinem geschlecht.&lt;br /&gt;es vergehen sekunden, minuten, bis hannes bemerkt, dass es plötzlich hell geworden ist, jemand hat den schwarzen samt weggezogen, ich muss versehentlich an den lichtschalter gekommen sein, denkt er, bis er das erstickte keuchen hört, er fährt herum, seine frau steht hinter ihm. sie sieht schockiert aus. sie hat nie wirklich etwas begriffen. hannes lächelt. geht auf sie zu. "mach dir keine sorgen." er steht vor ihr. legt seine hände um ihren schmalen, langen hals. er drückt und drückt. ihre augen weiten sich, quellen hervor, sie wehrt sich nicht. hannes drückt und drückt, erstaunt und froh, dass er so viel kraft in seinen händen hat. sie wird schlaff, die augen drehen sich nach oben, verschwinden in ihrem kopf. sie ist ganz weich. und weiß. hannes drückt. und drückt. und lässt sie auf den weichen teppichboden sinken. hannes lächelt.&lt;br /&gt;endlich ist es so, wie er es sich immer gewünscht hat.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/5715823201048935669-2819366072764682062?l=iwishihadaclue.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://iwishihadaclue.blogspot.com/feeds/2819366072764682062/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=5715823201048935669&amp;postID=2819366072764682062' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/5715823201048935669/posts/default/2819366072764682062'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/5715823201048935669/posts/default/2819366072764682062'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://iwishihadaclue.blogspot.com/2007/11/nchtliche-ruhesterungen.html' title='nächtliche ruhestörungen'/><author><name>julie</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://3.bp.blogspot.com/_-1BOnHI_TlU/Ssnszm4VC3I/AAAAAAAAAMM/ey_arJUNO08/S220/2516028063_cc68190600.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-5715823201048935669.post-2592704340618723812</id><published>2007-11-14T18:25:00.000+01:00</published><updated>2007-11-14T18:27:42.250+01:00</updated><title type='text'>verliebt, verliebt</title><content type='html'>warum können wir nicht ein bisschen ehrlicher sein?&lt;br /&gt;ich drehe mich in einem karussell von lügen und immer wieder aufs neue, und ist mir das eine langweilig geworden, steige ich auf das nächste um, und wieso? weil ich nicht verletzt werden möchte. weil du nicht wissen sollst, was ich vielleicht weiß. und weil du nicht wissen sollst, dass mein herz bricht. ich weiß gar nicht, warum ich das schreibe. ich mag dieses bild vom gebrochenen herzen. und es tut immer ein bisschen weh in der magengegend, wenn du es schreibst: mein. herz. bricht.&lt;br /&gt;und da ist die erste lüge, denn es bricht ja gar nicht, sondern zieht sich zusammen und pumpt blut durch meinen körper, ich habe dieses bild aus dem schulbuch im kopf, die blauen adern, die roten adern und dieser unförmige klumpen. nicht so schön wie der satz. mein. herz. bricht.&lt;br /&gt;es ist ja auch gar nicht das herz, das schmerzt, das würde mich in meinem alter auch ziemlich erschrecken; es ist vielmehr die magengrube, der sympathikus, wie das schulbuch wieder besserwisserisch in meinem kopf kräht und ich mich gerne fragen würde, was das eigentlich immer soll, wenn ich dadurch nicht den faden verlieren würde, der sympathikus ist verantwortlich für das kribbeln in der magengrube, das so gern zu einem dumpfen ziehen wird, und den weichen knien, den händen, und vielleicht lässt er mich auch auf meiner unterlippe herumkauen, bis sie blutet. es ist schön, einen sündenbock zu haben.&lt;br /&gt;fluchtbereitschaft, adrenalin, gefahrensituation - flüchten, weil ich nicht ehrlich sein möchte? ich möchte doch nichts mehr als ehrlich sein, nichts mehr als laut mit aufschreien, wenn morrissey den schönsten satz der musikgeschichte singt, to die by your side is such a heavenly way to die; und ich wünsche mir, dass your side auch wirklich deine seite ist und wir zusammen in den sonnenuntergang reiten. laufen, fahren, kriechen, was auch immer dir gefällt.&lt;br /&gt;ich lüge dich an.&lt;br /&gt;und ich habe angst.&lt;br /&gt;ich lüge dich an, weil ich angst habe, und ich habe angst, weil ich dich anlüge und dadurch immer alles noch schlimmer mache. ich rede nutzloses zeug, halte wirre reden, verwirre mich, verwirre dich und habe sicherlich in drei sätzen wieder das prädikat vergessen; und das nur, weil ich es nicht kann, weil ich so unfähig bin, und manchmal ist der liebenswürdige trottel ja eine positive identifikationsfigur, aber wenn der trottel so trottelig ist wie ich und dazu noch so schamlos lügt, ist die sympathie bald ausgenutzt. und der strahlend schöne held, also du, steht im mittelpunkt.&lt;br /&gt;wie viele schläge in die magengrube man eigentlich aushalten kann, bis es irgendwann die haut durchschlägt und die gegnerische faust in einem der ekligsten orte des körpers steckenbleibt, ist mir jedes mal wieder ein rätsel. diesmal liefert auch das schulbuch in meinem kopf keine erklärung.&lt;br /&gt;es ist einfach zu vernichtend.&lt;br /&gt;ich muss es verdrängen, um es überhaupt ertragen zu können, ich bin vernichtet, ver-NICHT-et und der weg dahin ist noch nicht einmal sonderlich weit, wenn man von natur aus schon eher würstchen ist als strahlend schöner held. würde ich mich selbst ernst nehmen, würde ich vielleicht nicht so fahrlässig umgehen mit dem herz, der magengrube und den lügen.&lt;br /&gt;einfach mal sagen, dass ich dich mag.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/5715823201048935669-2592704340618723812?l=iwishihadaclue.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://iwishihadaclue.blogspot.com/feeds/2592704340618723812/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=5715823201048935669&amp;postID=2592704340618723812' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/5715823201048935669/posts/default/2592704340618723812'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/5715823201048935669/posts/default/2592704340618723812'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://iwishihadaclue.blogspot.com/2007/11/verliebt-verliebt.html' title='verliebt, verliebt'/><author><name>julie</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://3.bp.blogspot.com/_-1BOnHI_TlU/Ssnszm4VC3I/AAAAAAAAAMM/ey_arJUNO08/S220/2516028063_cc68190600.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-5715823201048935669.post-4936013938407986502</id><published>2007-11-06T20:55:00.000+01:00</published><updated>2007-11-14T18:24:37.258+01:00</updated><title type='text'>eine reise</title><content type='html'>ich kann nicht gut reisen, sitze auf gepackten koffern und kann doch nicht ruhig bleiben, möchte am liebsten jetzt schon fahren, irgendwie die nacht durchstehen. nervös, nervös, und es sind schon kaum noch fingernägel da, an denen man sich abreagieren könnte. wenn das alles funktioniert, fällt mir ein stein vom herzen, dass ich danach aufpassen muss, nicht den boden unter den füßen zu verlieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;frankfurt/main hauptbahnhof, südseite.&lt;br /&gt;eine neue welt zwischen schmutzigen straßen und staubigen reisebussen, koffern und einem stimmengewirr von fremden sprachen. ein mann trägt zwei säcke voller kohlköpfe aus einem osteuropäischen bus heraus, frauen mit pelzmänteln und dazwischen ich, frierend und ängstlich und nicht wissend, wo ich bin, ob ich richtig bin. leiser spott im blick des busfahrers, ich mache so etwas nicht oft. 128 km vor mir. und danach noch viel mehr.&lt;br /&gt;die menschen bei judith hermann reisen immer mit dem zug. warum kann ich das nicht auch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;ich schreibe briefe, lange briefe, ohne absender, und schicke sie an erfundene adressen ins nirgendwo, vielleicht kommt doch einmal einer an und ich weiß nichts davon. blick aus dem fenster, blick auf die uhr, blick aus dem fenster, blick auf die uhr. die lippe blutet. fleischige löcher, wo einmal meine fingernägel waren. du kannst noch zurück, noch kannst du.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;das flugzeug hebt ab und die nachbarin spricht mich an, ein verständnisloser blick von mir, wie kann man reden, wenn ein flugzeug abhebt. das ist der moment zu weinen, der moment, den kopf in den händen zu verbergen und sich wegzuwünschen, der moment zu schreien, voller verzweiflung, schwindel im kopf, schwindel im bauch, ich möchte mich jetzt gern übergeben, und sie spricht mit mir. ich muss mich fangen. ich möchte mich nicht fangen.&lt;br /&gt;das flugzeug will landen und kann nicht, ich erahne den asphalt, berühr den boden, berühr doch den boden, ich will nur wieder auf dem boden sein. nichts mehr wollen als wieder festen boden unter den füßen spüren. dem impuls widerstehen, zum piloten zu rennen und ihn zu schütteln, lande doch, lande doch, ich kann nicht fliegen, ich will einfach nicht mehr. bitte. bitte lande.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;und erst im überheizten reisebus merken, wie sehr ich die blauen autobahnschilder vermisst habe, wie wunderschön sie sind im scheinwerferlicht, freundliche buchstaben erzählen mir von frankfurt, es sind nur noch ein paar kilometer, es ist nicht mehr weit, du hast wieder den boden unter den füßen.&lt;br /&gt;ich möchte wirklich nur noch zug fahren.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/5715823201048935669-4936013938407986502?l=iwishihadaclue.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://iwishihadaclue.blogspot.com/feeds/4936013938407986502/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=5715823201048935669&amp;postID=4936013938407986502' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/5715823201048935669/posts/default/4936013938407986502'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/5715823201048935669/posts/default/4936013938407986502'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://iwishihadaclue.blogspot.com/2007/11/eine-reise.html' title='eine reise'/><author><name>julie</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://3.bp.blogspot.com/_-1BOnHI_TlU/Ssnszm4VC3I/AAAAAAAAAMM/ey_arJUNO08/S220/2516028063_cc68190600.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-5715823201048935669.post-4428946731507509160</id><published>2007-11-05T09:08:00.000+01:00</published><updated>2007-11-05T09:11:10.719+01:00</updated><title type='text'>Eines Abends</title><content type='html'>In dieser Nacht habe ich die Welt wieder nicht gerettet, und noch nicht einmal meine Seele, vielleicht ist einfach nichts zu retten in diesen Nächten, wenn der Mond ins Fenster scheint und gespensterhafte Schatten an die Decke malt, wenn du mit offenen Augen in die Schatten starrst und einfach nur schlafen willst, wenn vor dem Fenster ein Zug vorbeifährt, als wäre nie etwas passiert.&lt;br /&gt;Alles ist passiert und nichts habe ich retten können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor Jahren, so kommt es mir vor, hat er zum ersten Mal an meine Tür geklopft; „halt mich fest“, hat er geflüstert und ich wollte nichts mehr, „ich will dich retten“, hätte ich ihm sagen sollen, „ich traue mich nicht“, habe ich geflüstert und dem Blut gelauscht, das hinter meinen Ohren toste. Jahre später, so kommt es mir vor, steht er wieder an der Tür und sagt nichts, ich greife nach seinem Handgelenk, es ist schon dunkel, komm, komm doch rein.&lt;br /&gt;Doch wie hilfst du dem, der nicht weiß, ob er erstickt oder verblutet, er streckt mir seine nackten Arme entgegen, ich streiche über seine weißen Armbeugen, Alabaster, die Haut ist kalt, als wäre er schon tot, sein flehender Blick, bitte, sag doch etwas.&lt;br /&gt;Wir sitzen in der Küche, er trinkt Bier aus der Flasche, Gänsehaut auf seinen nackten Armen. Der schmale, blasse Oberkörper steckt in einem weißen, gerippten Unterhemd, es ist ihm viel zu groß. Seine Haare waren früher länger, sie fielen ihm in die Stirn und ich hätte sie ihm gerne aus dem Gesicht gestrichen, doch sie wirkten eigensinnig, ich wagte es nicht, sie zu berühren. Heute schimmert unter den blonden Stoppeln die Kopfhaut hervor, sein Kopf ist mager, die Wangen eingefallen und ich möchte einen Witz machen, „warst du im Gefängnis?“, ich räuspere mich, doch ich kann nicht sprechen. Lieber rauche ich eine Zigarette nach der anderen, sehe dem Rauch hinterher und möchte mich ebenso in Luft auflösen, weiß nicht, was ich mit meinen Händen machen soll, wohin ich blicken soll. Mir ist schwindelig. Unkontrolliert schlägt mein Fuß einen fiebrigen Rhythmus gegen das Tischbein, es sind die Zigaretten, die sind mir noch nie gut bekommen.&lt;br /&gt;„Ich muss mal aufs Klo“, zerreißt meine Stimme plötzlich die Stille und meinen Rhythmus, ich weiß selbst nicht, woher sie kommt. Abrupt stehe ich auf, stoße gegen den Tisch, seine Bierflasche wackelt, er sieht nicht einmal auf. Mein Gesicht brennt vor Scham, ich möchte aus der Küche stürzen und muss mich zwingen, ruhig und kontrolliert einen Fuß vor den anderen zu setzen, die Tür hinter mir zu schließen. Kraftlos setze ich mich auf den Badewannenrand, drücke die Zigarette im Abfluss aus, ich würde mich jetzt gerne übergeben, aber als ich den Kopf senke, wird der Schwindel so stark, dass ich wieder aufstehe. Ich lasse kaltes Wasser über die Pulsadern laufen. Wo kommt er nur so plötzlich her.&lt;br /&gt;All die Jahre war ich glücklich ohne ihn, ich bilde es mir zumindest ein, irgendwann habe ich verlernt, zwischen Wirklichkeit und Einbildung zu unterscheiden. Ich glaube, ich hatte mich im Griff, ich habe gearbeitet und vergessen, wie es war, damals mit ihm, es lag nicht viel Zeit zwischen seinem ersten Klopfen an meiner Tür und dem Tag, an dem er verschwand, es waren Tage, vielleicht Wochen, ich weiß es nicht mehr. Tage, an denen wir uns nicht viel sagten, wir wussten nichts voneinander, wir verbrachten unsere Nächte im Wald, wir sahen stumm in die gleiche Richtung und hofften, zwischen den Bäumen etwas zu sehen, etwas zu finden, das uns ändern konnte. Manchmal hielt er meine Hand und ich fürchtete, dass er meinen Puls fühlen könnte, mein Herz jagte das Blut so schnell durch meine Adern, dass ich es kaum ertragen konnte. Seine Hand war warm, er griff nie fest zu, meine Hand lag wie ein Stein in seiner, ein pulsierender, zitternder Stein, kurz davor zu zerbrechen. Ich bin nicht zerbrochen. Wäre ich zerbrochen, vielleicht wäre er nicht verschwunden; wäre ich zerbrochen, hätte ich es ihm gesagt, hätte gesagt, dass ich ihn retten möchte, dass ich immer bei ihm sein möchte, bei ihm, dem traurigen Schweiger, ich, die Einsame. Doch er schwieg und ich schwieg mit ihm, verzweifelnd, einsamer als jemals zuvor. Und dann war er weg, eines Nachts, wir kamen aus dem Wald, er schlief in meinem Bett, ich lag wach und lauschte seinem Atmen, neben ihm, eiskalt. Die Uhr schlug drei, vier, fünf Uhr, bis ich aufstand, leise in die Küche ging und mir einen Tee kochte, ich starrte die Tasse an und wollte alles ändern. Bis ich das Klacken der Wohnungstür hörte. Er war gegangen. Und er würde nicht wiederkommen.&lt;br /&gt;Er war weg und ich wusste nicht, ob ich unglücklich war.&lt;br /&gt;Und jetzt ist er wieder da, in meiner Küche, während ich mich im Badezimmer verstecke, obwohl ich weiß, dass er nicht gehen wird, er wird bleiben, dieses Mal, und ich werde es nicht aushalten können.&lt;br /&gt;Als ich die Badezimmertür öffne, steht er im Flur, lehnt an der Garderobe in dem schmalen Gang, mir gegenüber, sieht mich an. Was machst du nur hier, wieso jetzt, und wieso wieder bei mir, denke ich, kann immer noch nicht sprechen, mein Mund ist trocken, ich hätte einen Schluck trinken sollen. Er sieht mich immer noch an. Ich zittere, die ganze Wohnung beginnt zu schwanken. „Bitte, was machst du hier“, endlich kann ich sprechen, gleichzeitig erschrecke ich über meine Stimme, so heiser habe ich sie nicht in Erinnerung. „Ich möchte noch einmal bei dir sein“, sagt er, den Blick auf meine Füße gerichtet, die in albernen grob gestrickten Socken stecken, jede andere Frau stünde in solch einer Szene mit eleganten schwarzen Strumpfhosen vor ihm, ich bin meilenweit entfernt von anderen Frauen. Er möchte bei mir sein, bei mir, heute Abend, ich weiß nicht, warum und wohin das führen soll. „Es geht mir nicht gut und ich möchte gern bei dir sein“, sagt er noch einmal, der Blick immer noch auf meinen Füßen, die Stimme diesmal lauter. „Das ist schön“, flüstere ich, fühle mich dumm und hilflos und und gehe zurück in die Küche, zurück zu meinen Zigaretten, alles dreht sich. Er folgt mir, geht zurück zu seinem Bier, wieder sitzen wir an meinem kleinen, wackeligen Tisch, er auf dem grünen Klappstuhl, ich auf dem roten, wir rauchen und trinken und schweigen.&lt;br /&gt;Warum ausgerechnet ich, denke ich, was ist an mir. Wir liegen im Dunkeln, in meinem Bett, ich weiß nicht, ob er schon schläft, ich traue mich kaum mich zu bewegen. Er ist bei mir und ich weiß nicht warum, er will bei mir sein, er ist bei mir, er wird dieses Mal vielleicht länger bleiben und ich versuche mich zu fragen, ob ich glücklich bin. Ich weiß, ich könnte es nicht ertragen, wenn er wieder verschwindet. Und damals lag es ja doch wahrscheinlich an mir, ich tue ihm unrecht. Ich möchte alles anders machen, ich möchte mit ihm reden, ich möchte ihn kennen und vielleicht seine Seele retten und meine gleich dazu, ich weiß nicht, ob ich stark genug bin. Ob ich ihn aushalten kann, ob ich so viel Liebe aushalten kann, es ist so viel Liebe in mir und ich spüre sie erst jetzt. Ich spüre sie so stark, dass ich nicht liegen bleiben kann, ich stehe unter Strom, ich brauche einen Tee. Und wieder stehe ich auf und gehe in die Küche, der Wasserkocher blubbert, es ist fast wie damals. Der Mond scheint durchs Fenster, ein Auto fährt dabei, auf der noch regennassen Straße hört man jedes Geräusch viel deutlicher. In der Wohnung höre ich nur ein Scharren, ganz leise. Das ist er. Er will wieder gehen.&lt;br /&gt;Ich springe auf. So heftig, dass der Stuhl umfällt und mir die Teetasse aus den Händen fällt, sie zerbricht in tausend kleine Scherben, barfuß laufe ich über den Scherbenhaufen. Dort steht er noch, die Hand auf der Türklinke und ich spüre so viel Liebe in mir wie nie zuvor. „Bitte, bleib.“&lt;br /&gt;Er dreht sich um und sieht mich an, ich spüre, wie ich zerbreche wie die Tasse. Ich spüre, wie alles von mir abblättert, ich glaube, ich schwebe, ich habe die Kontrolle verloren, ich liege in tausend kleinen Scherben auf dem Boden, tausend kleine Scherben laufen auf ihn zu, klettern an ihm hoch, klammern sich an seine Hosenbeine, das Unterhemd und an seine blassen Arme.&lt;br /&gt;„Halt mich fest.“&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/5715823201048935669-4428946731507509160?l=iwishihadaclue.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://iwishihadaclue.blogspot.com/feeds/4428946731507509160/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=5715823201048935669&amp;postID=4428946731507509160' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/5715823201048935669/posts/default/4428946731507509160'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/5715823201048935669/posts/default/4428946731507509160'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://iwishihadaclue.blogspot.com/2007/11/eines-abends.html' title='Eines Abends'/><author><name>julie</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='31' src='http://3.bp.blogspot.com/_-1BOnHI_TlU/Ssnszm4VC3I/AAAAAAAAAMM/ey_arJUNO08/S220/2516028063_cc68190600.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry></feed>
