schreibkrampf.

Dienstag, 10. Februar 2009

sickergrube [vorlesungsprotokoll]

komm, wir steigen hinab und bleiben unter der erdoberfläche, wir haben uns luftschächte gegraben, damit wir nicht ersticken, denn ersticken, sagtest du, ist ein schrecklicher tod. und so sitzen wir hier, es ist warm und feucht und dunkel und wir sitzen hier ganz still und die welt zieht an uns vorbei, wir halten uns an den händen und versuchen, die gedanken des anderen zu lesen. wird uns irgendjemand hier finden, frage ich mich, doch wer wird hier schon nachsehen, wer sieht schon unter die erdoberfläche und wie sinnlos ist die frage, ich hoffe, du kannst meine gedanken nicht lesen, denn wir sind ja nicht hinabgestiegen, damit uns jemand findet.
wir könnten uns zerschneiden und das blut sickert in die erde, niemand wird es sehen, und verbluten ist ein wunderschöner tod, denkst du, glaube ich, deine hände zucken leicht. wir könnten auch auf den regen warten, ganz langsam wird er sich seinen weg durch die erde bahnen und wir sitzen inmitten eines dunklen, dampfenden schwamms, ganz langsam würde er uns ersticken, wären da nicht die luftschächte, durch die die wassertropfen unerbittlich auf uns niederprasseln, jeder tropfen ein nagel an dem sarg, den niemand für uns zimmern wird und zuerst sind deine haare ganz nass und deine finger werden klamm und du kannst sie nie wieder von meinen lösen und es regnet schlammbrocken auf uns und der schlamm dringt langsam in uns ein. unser leben sickert langsam in die erde und niemand wird es finden, niemand wird uns berühren und sagen "oh, erkaltet, sie sind schon lange tot" und wahrscheinlich sind wir doch erstickt, denn ersticken, weißt du, ist ein schrecklicher tod.